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Hot Rod History - von Andreas Hajenski
Berichte über Street Rodding in deutscher Sprache sind selten. Der folgende Artikel zeigt die Hintergründe und die Geschichte des Street Rodding in den USA auf. Er erschien ursprünglich 1996 in der Herbstausgabe des RODAZIN.
Das ist natürlich nicht die komplette Geschichte des „Hot Rodding“ - darüber könnte man Bücher schreiben - sondern nur ein kurzer Überblick.
Wir werden uns nur mit dem Teil der Geschichte beschäftigen, der zu den „Street Rods“ führt.
Ein „Street Rod“ ist ein vierrädriges Fahrzeug vor Baujahr 1949 (oder auch ein Nachbau eines solchen Fahrzeugs), das technisch und optisch modifiziert und für die Straße tauglich ist.
Im Unterschied zu einem „Custom Car“ wird dabei Wert auf Leistung gelegt.
Das heißt „Street Rods“ sind eine spezielle Untergruppe der „Hot Rods“.
Tex Smith
definiert einen „Hot Rod“ als „personalized, improved performance vehicle“
(ein nach persönlichen Anforderungen umgebautes,
leistungsorientiertes Fahrzeug).
„Hot Rods“ gibt es also praktisch schon so lange, wie es Autos gibt, Nichts liegt näher, als Kotflügel, Hauben, Stoßstangen, Lampen und alles andere unnötige Gewicht zu entfernen, um das Auto leichter und schneller zu machen. Schon in den 20er Jahren fuhren die Jungs mit solchen Kisten auf den Straßen.

Ein Meilenstein war 1932 die Einführung des Ford V-8. Der erste V-8 in einem billigen, kleinen, leichten Auto. Damals entstand, was heute noch beliebt ist: Ein „Model-A on Deuce Rails“. Man nahm die leichte Roadster Karosserie eines Ford A und setzte sie auf das Chassis eines 32er Ford mit getuntem V-8 Motor.
Mit solchen und ähnlichen Autos veranstalteten die Jungs dann - vor allem in Kalifornien - Straßenrennen, was die Sheriffs natürlich gar nicht gut fanden. Ende der 40er Jahre war Dean Moon, der Gründer der„Moon Equipment Company“, der bis heute wohl bekanntesten Hot Rod Zubehör Firma, der erste Rodder, der in Kalifornien für illegales Rennen ins Gefängnis kam. Der Konflikt zwischen„Cops“ und Roddern besteht bis heute, wo Straßenrennen in Amerika eine Renaissance erleben.

Zwischendurch gab es immer wieder Versuche, die Rennbegeisterung in geordnete Bahnen zu lenken. 1937 wurde die S.C.T.A. (Southern Califonia Timing Association) gegründet, die Hochgeschwindigkeitsrennen auf den Salzseen veranstaltete. Muroc, El Mirage und Bonneville sind die bekanntesten. Dort liegen die Wurzeln der Street Rods. Zweck der Übung war es, möglichst schnell geradeaus zu fahren. Dazu brauchte man leichte Autos, starke Motoren und geringen Luftwiderstand. Daher stammen Top Chops, entfernte Türgriffe und Louvers. Ursprünglich rein funktional, wurden sie später als Stilmittel eingesetzt.

Von den„Dry Lakes Races“ aus der Zeit um„WW II“ (2. Weltkrieg) stammen die bekanntesten Tuning Firmen, die zum Teil heute noch existieren. Da es kaum Teile für die modifizierten Autos gab, mussten die Fahrer sie zunächst für sich und dann auch für Freunde und Bekannte selbst konstruieren. Einer der bekanntesten ist sicher Dean Moon, der mit der Fertigung von Fuel Blocks (Spritverteiler für Mehrvergaseranlagen) begann und sein Programm dann um aus Aluminium gedrehte Tanks und Radkappen (Moon Discs) erweiterte. Legende sind seine Moon Eyes Aufkleber, die jedes Auto schon im Stand um mindestens 10 Meilen schneller machen. Seitdem Dean Ende der 80er Jahre gestorben ist, wird die Firma von ein paar Japanern sehr erfolgreich unter dem Namen„Moon“ weitergeführt.

Ähnlich bekannt ist auch Vic Edelbrock, der mit Zylinderköpfen und Ansaugspinnen begann, und dessen Firma heute, geführt von seinem Sohn Vic jr., wohl die größte Tuningfirma der USA ist. Ebenfalls aus dieser Zeit stammen Weiand Kompressoren und Spinnen, oder Offenhauser Zylinderköpfe und Spinnen. Etwas in Vergessenheit geraten sind Namen wie Stuart Hilborn (Hilborn Fuel Injection), Ed„Isky“ Iskenderian (Isky Cams), Kong Jackson (Kong Ignition) oder Clay Smith (Woody Woodpecker). Diese Liste ließe sich beliebig lang fortsetzen, aber wir wollen uns nicht im Detail verlieren, sondern den Überblick behalten.

Nach dem Krieg erlebte das Hot Rodding einen Boom. Zahllose GIs, die - aus dem Krieg heimgekehrt - Geld und noch viel mehr Zeit hatten, stürzten sich darauf. Wie immer stand Kalifornien hier wieder an erster Stelle. Aus dieser Zeit stammt das„Drag-Racing“, praktisch ein legales Straßenrennen auf einer abgeschlossenen Bahn. Zwei Autos starten nebeneinander an einer Ampel, wer zuerst die 1/4-Meilen-Marke (ungefähr die Länge eines Blocks) erreicht, hat gewonnen. Beide starten bei Grün, wer zu früh losfährt, bekommt rot und wird disqualifiziert. Die Zeit wird nicht ab grün gemessen, sondern ab dem Moment, wo das Auto tatsächlich aus der Lichtschranke fährt. So kann man auch mit einer schlechteren E.T. (Elapsed Time = die gefahrene Zeit) gewinnen, wenn man eine kürzere Reaktionszeit hat, und deswegen zuerst im Ziel ist.

1948 wurde von Wally Parks und Robert E. Peterson, dem Herausgeber des„Hot Rod Magazine“, die N.H.R.A. (National Hot Rod Association) gegründet. Die ersten„Drag Races“ hielt sie in Kalifornien auf stillgelegten Militärflugplätzen ab. Die heutigen Top Fuel Dragster, die knapp über viereinhalb Sekunden für die 1/4 Meile brauchen und dabei Geschwindigkeiten von mehr als 300 Meilen erreichen, haben natürlich technisch fast nichts mehr mit den ersten Dragstern gemeinsam. Überlegt euch mal: Eine Beschleunigung von 0 auf 500 km/h in viereinhalb Sekunden, das ist wirklich nicht mehr vorstellbar. Auch mit dem Drag-Racing könnte man Bücher füllen, wir kehren zurück zum Street Rodding.

Die 50er Jahre waren sicher der Höhepunkt, auch wenn es damals noch Hot Rodding hieß. Hot Rod heißt eigentlich„heißes Pleuel“. Rod ist aber auch ein Slang-Wort für Pistole. Manche Quellen behaupten, dass die Hot Rods deswegen so hießen, weil sie so gefährlich wie eine Waffe waren.

Wie auch immer der Name entstanden sein mag; die Jungs benutzten normalerweise die Autos, mit denen sie am Wochenende zum Rennen antraten (legal oder illegal) in der Woche zur normalen Fortbewegung. Diese Autos waren meist Vorkriegsautos (billig und leicht), am liebsten ein 32er - 34er Ford, noch lieber mit einer noch älteren Karosserie darauf, am allerbesten einer Roadster Karosserie.„Coupes are for chickens“. Chevrolets waren selten (die Rahmen, die serienmäßig Reihenmotoren hatten - der erste Chevy V-8 kam erst 1955 - waren zu schmal für V-8 Motoren), alles andere war exotisch.„Fat Fender Cars“, Autos ab ca. 1937, waren damals nicht besonders beliebt.

Neben den Ford Flathead Motoren (stehende Ventile) wurden auch gerne die Mercury Flatties genommen. Inzwischen gab es aber auch OHV Motoren (hängende Ventile), besonders Oldsmobile war sehr beliebt, aber auch schon mal Cadillac oder der Buick Nailhead (so genannt wegen seiner kleinen Ventile). Ab 1955 war sowieso der Chevy Small Block das Maß der Dinge.

Ende 50er, Anfang 60er Jahre gab es eine Veränderung. Die Vorkriegsautos wurden mehr für„Show“ als für„Go“ gebaut. Auf der Straße setzten sich immer mehr die neuen„Werks-Hot-Rods“ durch. Das„PS-Rennen“ war in Amerika in vollem Gang, und ab Mitte der 60er dominierten die„Muscle Cars“. Auch auf dem Drag Strip verdrängten die extra dafür gebauten Dragster die modifizierten Vorkriegswagen mehr und mehr.

Anfang der 70er waren die Street Rods auf einem Tiefpunkt. Die folgende, stetige Aufwärtsbewegung hatte verschiedene Gründe. Zum einen gab es keine„Muscle Cars“ mehr, sie hatten alle an Gewicht zugelegt und an Leistung verloren. Aber der Hauptgrund war ein ganz anderer. Das Street Rodding war eine Nostalgie-Bewegung geworden. Die Hot Rodder der 50er waren erwachsen, hatten eine Familie und Geld. Sie sehnten sich wieder nach den Autos ihrer Jugend, aber unter anderen Bedingungen. Die neue Generation Autos war technisch viel ausgereifter und auch bequemer geworden. Sie waren immer noch schnell, aber Leistung war nicht mehr das einzige Ziel. Die Optik stand viel mehr im Vordergrund. Auch das Image der Rodder hatte sich total gewandelt. Aus einer Protestbewegung der jugendlichen Subkultur war jetzt eine etablierte Freizeitbewegung für die ganze Familie geworden. Tex Smith brachte es in einem Interview auf den Punkt:„Hot Rod was a dirty word, we spent some time to clean it up.“

Die logische Folge war die Gründung der NSRA (National Sreet Rod Association), von der auch die Street Rod Definition stammt (s.O.). Der Grund für die Baujahrsbegrenzung„pre-49“ ist, dass in den USA noch bis zum Modelljahr 48 von fast allen Herstellern die Vorkriegsmodelle praktisch unverändert weiter verkauft wurden. Erst ab Modelljahr 49 (das ist nicht immer identisch mit dem Baujahr) gab es auf breiter Front die neuen Ponton-Modelle. Pre-49 bedeutet also eigentlich nichts anderes als„Vorkriegswagen“.
Diese Regelung ist teilweise etwas umstritten, denn sie passt nicht für alle Hersteller. Cadillac, zum Beispiel, brachte schon 48 die neuen Modelle raus. Ein modifizierter 48er Cadillac ist also offiziell ein Street Rod, obwohl er es, der Idee nach, als Nachkriegskonstruktion eigentlich nicht ist. Aber im großen und ganzen weiß man schon, was gemeint ist, nämlich modifizierte Vorkriegswagen.

Nach und nach entwickelte sich eine Millionen Dollar Zubehör Industrie. Andy Brizio hatte schon Ende der 60er Jahre den ersten Bausatz-Rod mit GFK Karosserie den„Instant T“ auf den Markt gebracht. Da die originalen Blechkarossen langsam knapp wurden, kamen immer mehr GFK Nachbauten heraus. Auch Chassis, die wesentlich steifer als die Originale waren, und damit den gestiegenen Motorleistungen und Komfortansprüchen gerecht wurden, gab es.

Inzwischen konnten sich viele, die in den 50er Jahren nur vom Hot Rod träumen konnten, diesen Traum erfüllen. Der typische Street Rodder in Amerika ist älter, hat eine Familie, beschränkte Zeit, beschränkte handwerkliche Fähigkeiten, aber einen nicht so beschränkten Geldbeutel. Demzufolge gibt es alle Teile zu kaufen, die es leicht machen, sich einen Rod zu bauen - oder auch bauen zu lassen, denn inzwischen gibt es jede Menge Firmen, die das ganz nach den Wünschen ihrer Kunden erledigen. Dabei gibt es technisch, optisch und preislich absolut keine Grenzen mehr. Die Spitzen Rods sind, sowohl von der Technik als auch von der Verarbeitung, jedem Neuwagen haushoch überlegen. Wirklich ein weiter Weg von den Jungs, die damals die Nächte in kleinen Garagen an ihren alten Kisten durchgeschraubt haben.

Diese Entwicklung hatte aber noch andere Konsequenzen. Während es früher praktisch nur 32er - 34er Fords gab, hauptsächlich Roadster, eventuell Coupés, ist das heute nicht mehr nötig. Leicht müssen die Autos nicht mehr sein, also kann man auch die für die Familie viel praktischeren Sedans nehmen. Heute ist es überhaupt kein Problem mehr, jeden Motor in jedes Auto zu bauen. Also griff man, aus Gründen der Verfügbarkeit, aber auch um etwas anderes zu haben als die anderen, zu anderen Marken als Ford. Das geht inzwischen so weit, dass immer wieder sogenannte„Phantoms“ gebaut werden, Karosserieformen, die es original nicht gab, z. B. Ford 37 3-Window Coupés (gab es nur als 5-Window Coupé).

Das Schöne an dieser Entwicklung ist, dass heute im Rodbau alles möglich ist. Der Kreativität und dem eigenen Geschmack sind keine Grenzen gesetzt. Die Wagen, die heute von den Profis gebaut werden, sind teilweise technisch, handwerklich und kreativ auf einem Niveau, das einfach unglaublich ist. Aber auch das andere Extrem gibt es immer noch: Autos, die vom Besitzer selbst in der Garage für wenig Geld aufgebaut werden. Auf Treffen stehen sie, oft noch in„Primer“ (Grundierung), neben Autos, die mehrere hunderttausend Dollar wert sind, und das funktioniert, weil alle die gleiche Grundidee haben. Bei uns besteht noch eine gewisse soziale Kluft zwischen einem garagenrestaurierten Käfer und einem Kompressor-Mercedes.

Das Schöne am Street Rodding ist, dass es so viele Möglichkeiten gibt. Ein Rodder hat in einem Interview sinngemäß gesagt.„Früher habe ich Autos restauriert, aber das beste, was du erreichen kannst, ist, dass das Auto aussieht, wie es aus dem Werk kam. Wenn ich heute mit einem Auto fertig bin, ist es viel besser als es damals war. Die Arbeit ist einfach viel kreativer.“

Langsam wird auch bei uns anerkannt, dass Street Rodder nicht ein Haufen Spinner sind, die schöne, alte Autos verschandeln, sondern - wie wir gesehen haben - in einer langen Tradition stehen und auch qualitativ hochwertige und kreative Arbeit leisten.

Aber wer diesen Artikel liest, der weiß das eh schon...
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Initiative Kulturgut Mobilität e.V.